site:-Suchanfragen in der Search Console: Was KI-Systeme auf Ihrer Website nachschlagen
In immer mehr Search-Console-Berichten tauchen seltsame Suchanfragen auf: eine Domain mit „site:“ davor, dazu ein paar Begriffe, viele Impressionen und kein einziger Klick. Wir haben Daten von 300+ Websites ausgewertet. Die Zahl dieser Suchen ist in einem Jahr auf rund das Neunfache gestiegen.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Anteil der site:-Suchanfragen ist von Sommer 2025 auf Sommer 2026 auf rund das Neunfache gestiegen.
- Gut ein Drittel der untersuchten Websites hatte solche Suchen. Bei rund 5 von 100 wird gezielt auf der eigenen Domain gesucht, vor einem Jahr bei rund einer.
- Geklickt wird praktisch nie: Die Klickrate liegt unter 0,2 %. Das spricht gegen Menschen als Absender.
- Das Muster passt zu Studien, nach denen ChatGPT seit 2026 viel häufiger mit site: sucht. Beweisen lässt sich der Absender aus der Search Console aber nicht.
Was site:-Suchanfragen sind
Mit „site:“ sucht man nur auf einer einzigen Website. Wer bei Google site:beispiel.at öffnungszeiten eingibt, bekommt nur Ergebnisse von beispiel.at. Menschen nutzen diesen Befehl selten, meist sind es Fachleute, die etwas prüfen wollen.
Für ein KI-System ist der Befehl dagegen sehr praktisch. Statt das ganze Internet zu durchsuchen und dann zu prüfen, welche Quelle stimmt, kann es direkt dort nachsehen, wo die verlässliche Antwort stehen sollte: beim Hersteller, beim Amt, beim Anbieter selbst.
Warum es plötzlich so viele gibt
ChatGPT zerlegt eine Frage in viele eigene Suchen, und seit 2026 grenzt es diese immer öfter mit site: ein. Diese Hintergrund-Suchen heißen Fan-out-Suchanfragen. Die SEO-Expertin Lily Ray hat die bisherigen Messungen dazu in einem Artikel zusammengefasst:
Lily Ray vermutet, dass ChatGPT so minderwertige Quellen umgeht: Für Fakten und Preise schlägt es beim Anbieter selbst nach, für Gesundheits- und Rechtsfragen bei offiziellen Stellen. Sie weist ausdrücklich darauf hin, dass die Zuordnung dieser Suchen in der Search Console eine Vermutung ist. Wir haben deshalb in echten Daten nachgesehen.
Was unsere Daten zeigen
Bis Ende 2025 waren site:-Suchanfragen selten. Ab dem Frühjahr 2026 steigen sie stark an. Im Sommer 2026 kamen auf 100.000 Suchanfragen rund 66 mit site:, ein Jahr davor rund 8.
Werte als Tabelle
| Quartal | je 100.000 Anfragen | Websites mit site: | site: auf eigene Domain |
|---|---|---|---|
| Q3 2025 (Jul bis Sep 25) | 7,6 | 10 % | 1 % |
| Q4 2025 (Okt bis Dez 25) | 6,1 | 14 % | 0,3 % |
| Q1 2026 (Jän bis Mär 26) | 14,7 | 17 % | 2 % |
| Q2 2026 (Apr bis Jun 26) | 41,8 | 22 % | 5,6 % |
| Q3 2026 (Jul bis Sep 26) | 66,1 | 25 % | 4,8 % |
Absolut sind das wenige Suchen. Wichtig ist der Trend: Er setzt genau in dem Zeitraum ein, in dem ChatGPT laut den Studien auf diese Suchweise umgestellt hat, und er betrifft nicht nur große Websites.
Zwei Muster, zwei Absender
Nicht jede site:-Suche ist gleich. In den Daten lassen sich zwei sehr unterschiedliche Formen unterscheiden. Im Sommer 2026 machte die gezielte Suche auf einer Website rund drei Viertel aus.
site:beispiel-shop.at rückgabe fristsite:musterbau.at förderung wärmepumpe officialpreise jahreskarte site:beispiel-museum.at
Eine Domain, dazu ein konkreter Begriff, oft mit „official“. Das passt zu dem, was Studien über ChatGPT beschreiben: Für Fakten, Preise und Bedingungen schlägt es direkt beim Anbieter nach.
"beispielfirma" übernahme OR kooperation -site:newsportal-a.at -site:newsportal-b.at -site:…"musterverein" kritik -site:musterverein.at -site:…
Ein Name in Anführungszeichen, dazu Stichwörter und lange Ketten mit „-site:“. Das sieht eher nach Werkzeugen aus, die Firmen und Nachrichten beobachten, als nach einem Chat.
Die Beispiele sind frei formuliert und zeigen nur die Form. Sie stammen nicht aus den Daten und nennen keine echten Websites.
Was die Search Console nicht verrät
Die Search Console zeigt, wonach gesucht wurde, aber nicht, wer gesucht hat. Dass ein Teil dieser Suchen von ChatGPT kommt, ist plausibel: Der zeitliche Verlauf passt zu den Studien, die Klickrate liegt nahe null, und Wörter wie „official“ tauchen auf. Ein anderer Teil stammt sehr wahrscheinlich von Werkzeugen, die Firmen beobachten, oder von SEO-Werkzeugen.
Unsere Einordnung: Wir sprechen von einem deutlichen Hinweis, nicht von einem Beweis. Wer genau wissen will, welche Suchen ein KI-System ausführt, braucht zusätzlich Werkzeuge, die diese Fan-out-Suchen direkt mitlesen.
Was Sie jetzt tun können
site:-Suchen auf Ihrer Domain sind eine seltene Gelegenheit: Sie sehen, welche Fakten ein KI-System bei Ihnen sucht. Nutzen Sie das.
- 1In der Search Console nachsehen
Leistung, Suchergebnisse, Filter „Suchanfrage“, „Suchanfragen mit“ und
site:eingeben. Nur die gezielten Suchen ohne die Ausschluss-Ketten zeigt der reguläre Ausdruck^(?!.*-site:).*site:. Stellen Sie den Zeitraum auf 16 Monate, dann sehen Sie den Verlauf. - 2Lesen, wonach auf Ihrer Domain gesucht wird
Die Begriffe hinter
site:ihre-domain.atzeigen, welche Fakten ein KI-System bei Ihnen sucht: Preise, Fristen, Öffnungszeiten, technische Daten, Förderungen. Steht die Antwort auf Ihrer Website, und zwar gut auffindbar? - 3Fakten als lesbaren Text bereitstellen
Preise, Daten und Bedingungen gehören als normaler Text auf die Seite, nicht nur in Bilder, PDFs oder Inhalte, die erst per JavaScript nachgeladen werden. Eine kurze, klare Antwort ganz oben hilft Menschen und Maschinen.
- 4Klar machen, welche Domain die offizielle ist
KI-Systeme raten die Domain, wenn sie unklar ist, und liegen dabei manchmal falsch. Einheitlicher Firmenname und dieselbe Domain auf allen Profilen, in Verzeichnissen und im Impressum helfen. Wo es passt, darf „offizielle Website“ im Seitentitel stehen.
- 5Die Zahlen richtig einordnen
site:-Suchanfragen bringen Impressionen, aber kaum Klicks. Wer sie nicht herausrechnet, sieht eine sinkende Klickrate, die mit echten Besuchern nichts zu tun hat. Filtern Sie sie für Ihre Berichte aus, und beobachten Sie sie getrennt.
Wie gut finden KI-Systeme Ihre Website?
Der kostenlose KI-Schnellcheck zeigt in wenigen Sekunden, wie gut Ihre Website für KI-Suchsysteme lesbar ist.
So haben wir gemessen
Wir haben alle Suchanfragen gezählt, die den Befehl „site:“ enthalten, und sie ins Verhältnis zu allen Suchanfragen im selben Zeitraum gesetzt. So zählt nicht mit, dass manche Websites mehr Daten haben als andere.
- Gezählt: jede Suchanfrage mit „site:“ in einem Monat auf einer Website. Der Wert je 100.000 bezieht sich auf alle Suchanfragen ab drei Wörtern im selben Quartal.
- Eigene Domain: Steht hinter „site:“ die Domain der Website, deren Daten wir auswerten, zählt das als gezielte Suche auf der eigenen Website.
- Gegenprobe: Ohne die fünf Websites mit den meisten site:-Suchen steigt der Wert ebenfalls auf ein Vielfaches. Der Trend hängt also nicht an einzelnen Websites.
- Datenschutz: Wir zeigen nur gerundete Summen und Anteile über viele Websites. Keine Website ist erkennbar, und die Beispiele im Artikel sind frei formuliert.
Grenzen: Die Websites sind keine Zufallsauswahl aller Websites in Österreich. Kurze Suchanfragen mit ein oder zwei Wörtern sind nicht enthalten, die tatsächliche Zahl der site:-Suchen ist also höher. Wer die Suchen ausgeführt hat, zeigt die Search Console nicht.
Häufige Fragen
Was ist eine site:-Suchanfrage?
Mit dem Zusatz „site:“ und einer Domain sucht man nur auf dieser einen Website, zum Beispiel „site:beispiel.at öffnungszeiten“. Menschen nutzen das selten. KI-Systeme nutzen es zunehmend, um eine Antwort direkt bei einer vertrauenswürdigen Quelle nachzuschlagen.
Kommen diese Suchanfragen sicher von ChatGPT?
Das lässt sich aus der Search Console nicht sicher sagen, sie zeigt nicht, wer gesucht hat. Mehrere Studien zeigen aber, dass ChatGPT seit den Modellen von 2026 deutlich mehr site:-Suchen ausführt, und das Muster in unseren Daten passt dazu: viele Impressionen, praktisch keine Klicks, oft Wörter wie „official“. Ein Teil stammt sehr wahrscheinlich auch von Werkzeugen, die Firmen und Nachrichten beobachten.
Wie finde ich site:-Suchanfragen in meiner Search Console?
Im Leistungsbericht unter „Suchanfrage“ den Filter „Suchanfragen mit“ wählen und site: eingeben. Für nur die gezielten Suchen ohne Ausschlüsse den regulären Ausdruck ^(?!.*-site:).*site: verwenden. Kurze Anfragen mit wenigen Wörtern sind in unserer Auswertung nicht enthalten, in Ihrer Search Console sehen Sie alle.
Schaden mir diese Suchanfragen?
Nein. Sie verändern aber Ihre Kennzahlen: Sie bringen Impressionen ohne Klicks und drücken so die durchschnittliche Klickrate. Für saubere Berichte sollten Sie sie getrennt betrachten.
Was bringt es, wenn eine KI auf meiner Website nachschlägt?
Es ist ein gutes Zeichen: Das System hält Ihre Website für eine passende Quelle. Ob Sie dann in der Antwort genannt werden, hängt davon ab, ob die gesuchte Information auf Ihrer Seite klar und lesbar steht.
Wir aktualisieren diese Auswertung, sobald neue Monate vorliegen. Quellen: Atziry (eigene Auswertung), Lily Ray: What We Can Learn from Evolving ChatGPT Fan-Out Queries (mit den Messungen von Peec AI und Nectiv).
Alle Artikel · Ein Jahr KI-Modus in Österreich · Was ist GEO? · KI-Schnellcheck